Risiken und Perspektiven: "Sommerfraktion" analysierte den Nutzungswandel in den Rheinanlagen
Exponierter Teil des Welterbes Mittelrheintal, Torso eines englischen Landschaftsgartens, der zu Wilhelms Zeiten weit über das Flussufer herausragte: Die Rheinanlagen sind Vorzeige-meile und Sorgenkind zugleich. Vor dem Hinter-grund eines aktuellen Gutachtens informierte die "Sommerfraktion" gestern über Geschichte und Zukunft des "Volksparks".
KOBLENZ. Seit drei Jahren lädt die SPD-Rats-fraktion in den Stadtteilen zu ihrer "Sommer-fraktion" ein. Mit der Veranstaltung sollen, so Vorsitzender Heribert Heinrich, "in der politik-losen Zeit" gerade einmal die Themen stehen, die sonst nicht in den Mittelpunkt der Ratsde-batten rücken.
Was der Landtagsabgeordnete und Organisator Michael Hoffstadt, Vorsitzender des Ortsver-eins Süd, bei den Vorbereitungen nicht ahnen konnte: Die jüngsten Baumfällaktionen und das schöne Wetter haben die Rheinanlagen zum Reizthema werden lassen. Entsprechend groß war die Beteiligung am Vortrag im Weindorf mit anschließender Führung. Hierfür hatte die SPD Carola Schnug-Börderding gewonnen. Die Landschaftsarchitektin war am jüngsten Gut-achten über jene Anlagen beteiligt, die für immer mehr Anlieger und Spaziergänger zum Ärgernis ersten Ranges werden. Undisziplinierte Radfahrer, wilde Müllkippen, Lagerfeuer auf den Wiesen sind negative Begleiterscheinung eines Nutzungswandels weg von der Flaniermeile, für die die Anlagen in ihrem jetzigen Zustand schlecht gerüstet sind.
Das war nicht immer so. Wie die Referentin eindrucksvoll schilderte, waren die Anlagen früher ein Erlebnisraum mit Einrichtungen für Spiel und Volksbildung, der in eine großartige Landschaft eingebettet war. Der Krieg, der Bau von Eisenbahnstrecken und Straßen, die Er-richtung neuer Häuser, schließlich auch Veränderungen in der Landschaftspflege selbst haben das großartige Bild von einst stark verwischt.
Ziel der Gutachterin ist es, mit möglichst einfachen Mitteln alte Raumbezüge wiederher-zustellen und ordnend einzugreifen. Dabei sieht sie die Anlagen im Kontext zum Weltkulturerbe, will verlorene städtebauliche Bezüge wieder-herstellen und auch die Rheinlache, das Oberwerth und die Laubach einbeziehen. An ausgewählten Beispielen demonstrierte sie während ihrer Führung, was im Laufe der Zeit verloren gegangen ist - so auch am Areal hinter Weindorf und Rhein-Mosel-Halle, das früher wohl geordnet in Richtung Innenstadt führte.
Fazit: Der Blick in die Geschichte machte deutlich, was in der Zukunft in den Koblenzer Rheinanlagen dringend geschehen muss - auch ohne Bundesgartenschau.
Reinhard Kallenbach
Rhein-Zeitung, 25. August 2003