Foto: Denis Lawrenz (Synagoge Dresden am Ufer der Elbe)
Vortrag am 7.10.2013 in der Hochschule Koblenz
Mit dem Umbruch der 1990er Jahre hat sich auch im jüdischen Leben in Koblenz einiges verändert. Die Gemeinde wächst, wie das jüdischen Leben in ganz Deutschland. Auch mit den Veränderungen in Koblenz, die durch den Umzug der Stadtbibliothek und des Mittelrhein-Museum in den sehenswerten Kulturbau am Zentralplatz eingetreten sind, ist eine wichtige Debatte losgetreten worden: Wie geht es weiter mit der Synagoge in Koblenz?
Derzeit steht die Synagoge als Gebäude der 1950er Jahre an der Schwertzstraße im Rauental, unmittelbar am jüdischen Friedhof gelegen. Sie reicht bei weitem nicht mehr aus, um den Bedürfnissen der größer werdenden Gemeinde für Koblenz und der Region gerecht zu werden.
Für den Stadtrat steht die Entscheidung an, ob die historischen Gebäude am Florinsmarkt, in denen die wichtigen Kultureinrichtungen untergebracht gewesen sind, nunmehr an eine private Stiftung verkauft werden, die sich der Zusammenarbeit der Koblenzer Hochschulen, der Forschung und dem Umweltschutz verschrieben hat. "Es wäre ein sinnvolles Paket, die Koblenz als Hochschul- und Bildungsstadt im Herzen der Altstadt sichtbar werden lassen würde", begrüßt der kultur- und tourismuspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Christian Altmaier, das Ansinnen und spricht sich für den Verkauf der Immobilien aus.
Dem Gegenüber steht der Wunsch, die historische Chance zu ergreifen, am Standort Florinsmarkt im Bürresheimer Hof wieder eine Synagoge zu errichten. Hier war der Mittelpunkt des jüdischen Lebens über 80 Jahre, zuvor aber über Jahrhunderte auch an vielen anderen Stellen im Stadtgebiet. Doch der Sanierungsbedarf ist hoch, geschätzte Kosten von 7 Millionen Euro würden sicherlich nicht ausreichen, zeigt sich der Professor für Architektur der Hochschule Koblenz, Henner Herrmanns, überzeugt.
Deshalb will er mit Ratsmitglied Altmaier im Rahmen einer Projektarbeit von Studierenden und einer Ausstellung dafür sorgen, dass die Diskussion versachlicht wird. Die Nachteile des Umbaus am Florinsmarkt und die Chancen eines Neubaus sollten abgewogen werden. "In vielen Städten der Bundesrepublik, so etwa auch in Mainz, sind spektakuläre Neubauten von Synagogen entstanden, die vielfach auch Besucher anziehen. Es gibt lange Wartelisten", weiß Professor Herrmanns zu berichten.
Am 7. Oktober 2013, 18.00 Uhr, findet ein Vortragsabend zum Thema Synagogen-Neubauten in der Hochschule Koblenz auf der Karthause, Konrad-Zuse-Straße, statt. Dem schließt sich das Projekt des Fachbereichs Bauwesen an. "Damit können wir einen Beitrag zur Diskussion liefern", sind die beiden überzeugt. Für Henner Herrmanns ist das Thema aus mehreren Gründe von Bedeutung, so musste sein Vater als Jude vor den Nazis fliehen und überlebte in Asien.
Um die Idee des Neubaus umzusetzen, sehen Altmaier und Herrmanns die Stadt aber in der Pflicht, auch eine attraktive Fläche bereitzustellen. Hier sehen sie mehrere Möglichkeiten gegeben. "Sehr reizvoll ist für mich ein Moselgrundstück schräg gegenüber des jüdischen Friedhofes", so Altmaier, "in Dresden ist die Synagoge ähnlich platziert, fällt allen Besuchern direkt ins Auge, die über eine Elbe-Brücke in die Stadt einfahren." Er bringt auch den Reichenspergerplatz ins Gespräch. Prof. Herrmanns sieht auch den Standort des Stadtbades als geeignet an. "Dies würde aber den Bau einer Tiefgarage verhindern, die dringend benötigten Parkraum in Altstadt-Nähe schafft", erklärt Altmaier.
"Das jüdische Leben in Koblenz 2013 ist ein anderes als vor vielen Jahrzehnten, daher sollte mit einer neu gebauten Synagoge dieser Aufbruch gefestigt werden."
Wie in Deutschland neue Synagogen gebaut werden, solle eine Ausstellung der Architektenkammer zeigen. Um diese bemüht sich der Hochschulprofessor gerade und sie soll zeitnah in Koblenz ausgestellt werden. "Wir fragen gerade eine Ausstellungsfläche im Kulturbau an", so Kulturpolitiker Altmaier. Auf die Ergebnisse der Studierenden wird man noch etwas warten müssen, aber Herrmanns und Altmaier sind gespannt auf die kreativen Ideen der angehenden Architekten "made in Koblenz".