Kaum jemand kennt außer der Festung Ehrenbreitstein die anderen Teile der Festungsanlage Koblenz. Dies nahmen sich die SPD-Fraktion im Koblenzer Stadtrat und der SPD-Stadtverband zum Anlass, um mit interessierten Bürgerinnen und Bürgern eine Festungsfahrt am Sonntag, den 18. April zu unternehmen. Mit 2 Bussen der KEVAG startete die Informationsfahrt unter Leitung des Fraktionsvorsitzenden der Koblenzer SPD, Heribert Heinrich und des Oberbürgermeisters, Dr. Eberhard Schulte-Wissermann. Es folgt der Artikel aus der Rhein-Zeitung vom 20.04.2004:
Festungstour eröffnete einen Einblick in die weniger bekannten Wehranlagen der Stadt - Initiativen von Fort Konstantin und Asterstein sowie der Feste Franz stellten sich vor
"Ja, so lernt man die Heimat kennen"
SPD-Fraktion nahm 80 interessierte Bürger mit zur kostenlosen Rundfahrt
Preußisches Säbelrasseln ist nicht das Ding der Sozialdemokratie. Die Festen preußischer Verteidigungskunst schon - sind sie doch nur noch Relikte vergangener Herrschaftszeiten. Zu einer Festungs-Tour hatte die Koblenzer SPD-Fraktion eingeladen. Rund 80 Bürger folgten ihr und fuhren mit.
KOBLENZ. "Ja, ja. So lernt man die eigene Heimat kennen". Beeindruckt marschiert der Rentner aus Moselweiß durch die Feste Kaiser Franz in Lützel. "Ich wohne fast 70 Jahre in der Stadt. Hier war ich noch nie", gibt der Mann zu. Es ist Sonntagmorgen, kurz nach 10 Uhr. Zwei Kevag-Busse haben gerade 80 Besucher nach Lützel kutschiert - die erste Station der Festungsrundfahrt der Koblenzer SPD. Auf dem Programm: Eine Vorstellung der drei Initiativen, die sich um die Anlagen in städtischem Besitz kümmern und eine Führung über die Festung Ehrenbreitstein.
Vor der Feste Franz nimmt Matthias Kellermann die Gruppe in Empfang, führt die Besucher durch das Gebäude. Ein abenteuerlicher Rundgang. "Man sieht, dass noch viel zu tun ist", warnt der junge Mann. Und während die Mauern von außen so wehrhaft wie vor mehr als 100 Jahren wirken, wird drinnen deutlich, was Kellermann gemeint hat. Risse in Decken und Wänden zeugen vom Feuchtigkeitseintritt durch das marode Dach des Kehlturms.
"Auch wir hoffen auf die Buga. Dass dann Gelder fließen, um auch dieses Koblenzer Denkmal vor dem Verfall zu schützen", sagt die Vorsitzende der Initiative Feste Kaiser Franz, Sabine Bauer, in Richtung des mitgereisten Oberbürgermeisters. Weiter geht's auf die Karthause.
Dass sich engagierte Bürger bereits seit elf Jahren um die Sanierung von Fort Konstantin bemühen, wird schnell deutlich. Harald Pohl, zweiter Chef der zuständigen Initiative zeigt, was hier alles geschehen ist. Die Besucher dürfen einen Blick in die Festungsbäckerei werfen, erfahren von den kulturellen Veranstaltungen vor Ort. "Am 6. Juni läuft der Weinmarkt. Am Wochenende vor Rhein in Flammen haben wir ein Jazzkonzert", erklärt Pohl. Konstantin: Die Vorzeige-Feste der Stadt.
Auf dem besten Weg dorthin scheint jedoch auch Fort Asterstein zu sein, wo wenig später Jürgen Klee Rede und Antwort steht. Und auch wenn hier noch an allen Ecken und Enden viel Arbeit auf die ehrenamtlichen Helfer wartet, hat der Initiativen-Vorsitzende große Visionen. "Theatervorführungen, ein Sinti-Festival. An diesem Ort ist vieles denkbar", erzählt er und demonstriert die wunderbare Akustik des Gemäuers. Und er präsentierte den lauschenden Politikern seine Wunschliste: "Schön wäre es, wenn der Wildwuchs Richtung Ehrenbreistein gerodet werden könnte. Dann könnte man den Gästen der Buga zeigen, wie einst die visuelle Kommunikation zwischen den beiden Festungen funktionierte", meint Jürgen Klee.
Als letzte Station des Tages wartet abschließend die Festung Ehrenbreitstein. Albert Diehl (Burgen, Schlösser, Altertümer) führt die Gruppe durch Wehranlagen und zur Kurtine, von wo sich der Blick über die Stadt eröffnet. "Ja, ja, so lernt man die Heimat kennen", wiederholt der Koblenzer Rentner noch einmal sein Geständnis vom Tourbeginn. Auf der Festung Ehrenbreitstein, klar, da sei er schon oft gewesen. "Aber all die Details über den Bau und die Anlage habe ich erst jetzt erfahren."
Annette G. Herrmann